Tilly's Diabetes Homepage

Geschichte

Medizinische Vorgeschichte

Tilly hatte 1997, im Alter von 8 Monaten, eine Gebärmutterentzundung die sich in der Bauchhöhle ausgebreitet hat. Sie hatte damals großes Glück eine exzellente Tierärztin zu haben und hat diese meist tödlich Erkrankung überlebt. Bis zur Diabetes-Diagnose, hatte sie einen generell guten Gesundheitszustand (außer einigen Blasenentzündungen, leichten Erkältungen und einer permanenten, leichten Zahnfleischentzündung). Ihr Gewicht war immer normal bis zu ein klein wenig pummelig. Sie hat auch jedes Jahr alle Impfungen bekommen, was laut neusten Forschungsergebnissen zu oft war.

Januar 2004: Die Cortison Spritze

Tilly hat im Januar 2004 eine Depot-Cortison Spritze für einen juckenden Fleck am Ohr bekommen und wurde im März 2004 mit Diabetes mellitus diagnostiziert. In Zukunft werde ich darauf achten, dass meine Katzen nur Cortison bekommen wenn alle anderen Therapie-Möglichkeiten erschöpft sind.

März 2004: Diabetes (Zuckerkrankheit) und Caninsulin

Tilly hatte in den zwei Monaten seit der Cortison-Spritze stark abgenommen, hatte großen Durst, wurde apathisch, ihr Fell sah schlecht aus und die Spitzen ihrer Ohren waren merkwürdig nach unten geknickt. Kurz vor der Diabetes-Diagnose hat sie auch noch angefangen oft zu Erbrechen.

Die Tierärztin wusste leider wenig über Diabetes und ich bekam eine Flasche Caninsulin in die Hand gedrückt und sehr vage Anweisungen übers Spritzen und Hometesting: ich sollte mit 4 IE (Insulin Einheiten) einmal am Tag anfangen(!). Ich hatte eine Woche Panik, da es Tilly schlecht ging und ich keinen qualifizierten Ansprechpartner hatte. Ich habe mir so schnell es ging Hometesting beigebracht und habe auch dann zu "BID" (zwei Spritzen pro Tag) gewechselt.

Ich war mit Caninsulin sehr unzufrieden: die "Pre-Werte" (Blutzuckerwerte direkt vor der Spritze morgens und abends) waren immer sehr hoch, die "Nadirs" (niedrigster Blutzuckerwert in jedem 12-stündigen Zeitfenster, also zwischen beiden Pre-Werten) waren manchmal, aber nicht immer, tief.

Tilly sah schlecht aus und hatte extremen Durst. Heißhunger, ein typisches Zeichen von einer schlecht eingestellten Katze, war auch ein Problem: Tilly hat 400g, 500g und mehr pro Tag gefressen ohne zuzunehmen.

Auf Caninsulin bekam Tilly maximal 3,5 IE BID. Bei zu geringen Mengen Insulin hat sie Ketone entwickelt. Mit Caninsulin ist Tilly, wenn sie gefallen ist, immer zu schnell gefallen und hat nur wenig Zeit unter dem Nierenschwellenwert von 200 verbracht (maximal 2-3 Stunden von 12). Der Nadir war bei 4-5 Stunden.

August 2004: Neue Tierärztinnen und die "Low-Carb" Diät

Im August haben wir Tierärztinnen gewechselt. Ich habe auch angefangen mich telefonisch von Kanada aus betreuen zu lassen, von einer Tierärztin die sich im Bereich Diabetes spezialisiert hat.

Der erste Schritt war ein großes Blutbild (inklusive Schilddrüsenwert T4) von Tilly um andere Probleme auszuschließen. Glukose, Fruktosamin und Cholesterin waren stark erhöht. Harnstoff-N, GLDH, LDH, Triglyceride gesamt und die eosinophile Granulocyten waren leicht erhöht. Der Albumin-Globulin-Quotient und die Thrombocyten waren leicht zu niedrig. Alles andere war normal.

Der zweite Schritt war das Futter umzustellen. Überhaupt kein Trockenfutter mehr, auch nicht das spezielle Diabetesfutter von Royal Canin (die kanadische Tierärztin nennt Trockenfutter "Schokoriegel für Katzen"). Auch keine Bröckchen in Sauce, Gelee oder sonst was - die Saucen können Karamell enthalten. Auch kein Futter mit billigen pflanzlichen Nebenprodukten. Tilly bekam nur Qualitäts-Dosenfutter mit Fleisch und/oder Fisch und frisch gebratenes Rinderhack/Truthahn. Sie bekam auch extra Taurin was positive Wirkungen bei Menschen mit Diabetes hat. Die Pre-Werte von über 500 wurden ab jetzt sehr selten.

November 2004: Ultratard Insulin

Im November haben wir auf das ultralente Insulin "Ultratard" von Novo Nordisk umgestellt, da es im Allgemeinen bei Katzen länger wirkt. Dieses Insulin wird heute nicht mehr hergestellt. Die Pre-Werte waren maximal bei 456, oft 350 bis 400. Der Nadir war meistens bei 7 Stunden und Tilly verbrachte oft 4-5 Stunden von 12 unter 200. Insuline von diesem Typ sind bekannt dafür, dass sie variabel wirken und dies war auch bei Tilly der Fall.

Tilly hat zugenommen (von 4,7 kg im November zu 5,7-5,8 kg im Februar). Sie hat viel weniger Durst gehabt als mit Caninsulin und wieder fast so schönes Fell wie früher. Der Heißhunger verschwand langsam, bis sie wieder normale Mengen von etwa 200g pro Tag gegessen hat. Mit Ultratard bekam sie maximal 5 IE BID.

Außerdem hat Tilly noch ihre Zähne gesäubert bekommen und einige Zähne mussten gezogen werden. Sie hatte schon immer etwas rotes Zahnfleisch, aber mit dem Diabetes wurde es richtig schlimm.

März 2005: Lantus (Glargine) Insulin und Remission

Ich habe am 11. März Tilly auf das Insulin Lantus von Sanofi Aventis umgestellt, wegen den damalig neuen, erfolgversprechenden Forschungsergebnissen zu diesem Insulin bei Katzen. Ich habe konservativ mit 0,25 IE/kg BID angefangen (totale Dosis war 1,5 IE BID). Ich habe schnell reduzieren können und sogar nach einer knappen Woche ganz aufhört zu spritzen. Seitdem bewegte Tilly sich im normalen physiologischen Bereich (50 bis 80), mit sehr wenigen Ausnahmen.

Bei einer Zahnsanierung im November 2005 wurde bei Tilly endlich die Zahnerkrankung FORL diagnostiziert - viele Zähne wurden gezogen. FORL ist eine sehr verbreitete Krankheit bei älteren Katzen. Januar 2007 mussten die letzten Zähne leider auch noch gezogen werden.

Januar 2008: Triaditis und erneute Remission

Im späten Januar 2008 erlitt Tilly eine plötzliche Triaditis-Attacke. Das Hauptsymptom war schweres Erbrechen. Weil Triaditis auch die Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft zieht, sind ihre Blutzuckerwerte angestiegen. Ich begann sofort ihr kleine Mengen Lantus zu spritzen, neben ihren anderen Medikamenten. Die Triaditis wurde direkt von einem Katzenschnupfen gefolgt, der auch mit entsprechenden Medikamenten behandelt wurde. Insgesamt bekam Tilly 11 Tage lang Lantus und ist seitdem wieder in einer stabile Remission.

Dezember 2009: Schilddrüsenüberfunktion

Obwohl Tillys T4-Wert 2009 weiterhin mittig in der Referenz lag, ist er langsam in den letzten Jahren angestiegen. Dies, in Zusammenhang mit einem deutlichem Kropf, milden Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion (SDÜ) und einer Caribmazol-Unverträglichkeit, haben dazu geführt, dass ich anfang 2010 den Kropf operativ entfernen liess. (Leider weigerte sich der Chirurg mehr als einen Teil eines Schilddrüsenlappens zu entfernen, weil er nicht davon überzeugt war, dass Tilly eine SDÜ hatte. Spätere Szintigrafie hat die Diagnose aber bestätigt). Im Sommer 2010 stieg der T4 weiter an und Tilly wurde immer dünner. Der freie T4 lad endlich oberhalb der Referenz. Im August 2010 sind wir dann zur Universität Gent in Belgien gefahren, wo eine erfolgreiche Radiojodtherapie (RTJ) durchgeführt wurde.

September 2010: Chronische Niereninsuffizienz

Es war klar, bevor die RTJ durchgeführt wurde, dass Tilly mit relativ grosser Wahrscheinlichkeit an einer chronischen Niereninsuffizienz leidet (CNI). Wir entschieden uns trotzdem die RTJ durchzuführen. Ich liess alle 3 Monate ein grosses Blutbild plus klinische Chemie machen. Die CNI ist in den darauf folgenden 1.5 Jahren nur langsam fortgeschritten. Tilly frass weiterhin kohlenhydratarmes Nassfutter mit viel zusätzlichem Wasser reingemischt, Phosphatbinder, Kalium, Omega 3, Taurin, Macrogol, Calcitriol und bekam Vitamin B12 Spritzen. Die Futterallergien sind ende 2011 leider wieder aufgetaucht und wir haben ihre Diät wieder anpassen müssen. Tillys sah gut aus, machte einen zufriedenen Eindruck und war weiterhin Remission.

Im April 2012, hatte Tilly dann sehr fortgeschritten CNI (IRIS Stage IV). Wir taten alles mögliche um die Lage zu stabilisieren, Diät, Medikamente, subkutane Infusionen. In den letzten Monaten ihres Lebens haben wir sie Assistenzgefüttert. Wir konnte im Sommer viele wunderbare Stunden zusammen im sonnigen Garten verbringen und Tilly hat ihr Stoeckchen gejagt. Tilly musste im September 2012 wegen CNI-Komplikationen (Anaemie) eingeschläfert werden, ein Monat vor ihrem 16. Geburtstag.

Es ist viel dunkler
wenn ein Stern erlischt,
als es sein würde,
wenn er nie gestrahlt hätte.


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